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Bibeltext  Anmerkung 
5 Der eine hält einen Tag für höher als den andern; der andere aber hält alle Tage für gleich. Ein jeder sei in seiner Meinung gewiß.  In der Gemeinde zu Rom gab es Konflikte zwischen Starken und Schwachen über die Frage von „Essen und Trinken“ (Röm.14,17; vgl. 14,2ff.14f.20f.). Im Hinblick auf das Essen geht es hier – im Unterschied zu 1.Kor.8; 10,23ff. – nicht um das Problem des Götzenopferfleisches, sondern um Menschen, die nur pflanzliche Nahrung/Gemüse essen (Röm.14,2), also aus asketischen Gründen eine vegetarische Ernährung bevorzugten. Auch der Verzicht auf Wein wurde mit asketischen Überlegungen begründet (Röm.14,21). Paulus warnt vor Trennungen aufgrund von „Gedanken“ und ruft die Starken dazu auf, das Unvermögen der Schwachen zu tragen (Röm.15,1) und sie anzunehmen (Röm.14,1).

In diesem Zusammenhang kommt Paulus auch darauf zu sprechen, dass der Eine einen bestimmten Tag als wichtiger ansieht, während für den Anderen alle Tage gleich sind. Manche Ausleger beziehen diese Aussage auf den Sabbat. In diesem Falle würde Paulus jedoch in Vers 5 den Gedankengang bezüglich des Essens (Röm.14,2-4.6b) unterbrechen und einen weiteren Konfliktpunkt zwischen Starken und Schwachen aufgreifen, auf den er im weiteren Verlauf nicht wieder eingeht. So legt sich die Frage nahe, ob zwischen der Beachtung bestimmter Tage und der Askese im Hinblick auf Essen und Trinken nicht eine sachliche Beziehung besteht. Die Frage nach den Tagen könnte ein Unterpunkt der Konsumaskese sein. Dafür spricht auch, dass in Röm.14,6 dem Tagebeobachter der Essende gegenübergestellt wird.

Deshalb ist es möglich, dass hier die Einhaltung bestimmter Fastentage gemeint ist, wie sie später in der Didache (Did.8,1) proklamiert werden. Dann wäre der Sabbat gar nicht berührt, da für Judenchristen an diesem Tag das Fasten Tabu war (Jubiläenbuch 50,12). Eine andere Beziehung zwischen Enthaltsamkeit von Speise und Trank und der religiösen Beobachtung von Tagen zeigt sich im Kolosserbrief. Während dort jedoch ausdrücklich vom Sabbat die Rede ist (Kol.2,16), muss hier offen bleiben, welcher Tag gemeint ist.