Sie sind hier: Bibel Neues Testament

Bibeltext  Anmerkung 
10 Und er lehrte in einer Synagoge am Sabbat.
11 Und siehe, eine Frau war da, die hatte seit achtzehn Jahren einen Geist, der sie krank machte; und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten.
12 Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, sei frei von deiner Krankheit!
13 Und legte die Hände auf sie; und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.
14 Da antwortete der Vorsteher der Synagoge, denn er war unwillig, daß Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an denen kommt und laßt euch heilen, aber nicht am Sabbattag.
15 Da antwortete ihm der Herr und sprach: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder seinen Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke?
16 Sollte dann nicht diese, die doch Abrahams Tochter ist, die der Satan schon achtzehn Jahre gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden?
17 Und als er das sagte, mußten sich schämen alle, die gegen ihn gewesen waren. Und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die durch ihn geschahen. 
Nachdem Jesus am Sabbat in der Synagoge eine verkrümmte Frau geheilt hat, kommt es zu einem Disput zwischen ihm und dem Synagogenvorsteher, der der Auffassung ist, dass die Durchführung von Heilungen am Sabbat unstatthaft ist. Jesus wertet das als Heuchelei und begründet diesen Vorwurf mit dem Hinweis, dass jeder seine Tiere am Sabbat losbindet und zur Tränke führt.
Offenbar war es in den galiläischen Dörfern Brauch, die Tiere auch am Sabbat zur Tränke zu führen. Die Damaskusschrift meinte, dass man die Tiere am Sabbat nicht mehr als 2000 Ellen vom Hof wegführen dürfe. Außerdem sollten störrische Tiere auf dem Hof verbleiben, weil man sie am Sabbat nicht durch Schläge antreiben dürfe (Damaskusschrift XI, 5-7). Das rabbinischen Judentum vertrat moderatere Positionen. Es war erlaubt, Tiere am Sabbat loszubinden (Schab 15,1). Auch durfte man Wasser in eine Tränke füllen. Allerdings durfte man diese nicht vor das Tier hinstellen. Gemeint ist wohl, dass das Tier von selbst zur Tränke kommen muss. Offensichtlich bezieht sich Jesus hier – wie in Mt.12,11 – auf die Sabbatpraxis des einfachen Volkes.
Entscheidend ist nun der Schluss vom Kleinen auf das Große. Die Tiere werden am Sabbat losgebunden und zur Tränke geführt. Bei der gekrümmten Frau aber handelt es sich um eine Tochter Abrahams. In Form einer rhetorischen Frage stellt Jesus fest: Sie muss am Sabbat von ihrer Fessel gelöst werden. Das ist nicht nur erlaubt, sondern „geboten“ (so wörtlich).

Hier zeigt sich wieder einmal die besondere Beziehung zwischen dem Sabbat und dem Wirken Jesu. Heilungen am Sabbat sind nicht nur erlaubt – der Sabbat ist dafür genau der richtige Tag, weil er ein Tag des Heils ist.